Geschichte und Entwicklung
Die Geschichte von PT-141 umfasst drei Jahrzehnte, zwei ganz unterschiedliche Ziele und mehrere Besitzerwechsel.
Eine zufällige Entdeckung
In den 1980er-Jahren stellten Wissenschaftler der University of Arizona in Tucson synthetische Varianten von Alpha-MSH her. Sie hofften, die Haut zu bräunen und sie vielleicht vor Sonnenlicht zu schützen. Eine davon, Melanotan II, wurde in den 1990er-Jahren an kleinen Gruppen von Männern erprobt. Neben dunklerer Haut berichteten einige Freiwillige von Erektionen, die ganz ohne Stimulation auftraten.
Palatin übernimmt
Das US-Unternehmen Palatin Technologies aus New Jersey beschloss, den sexuellen Effekt eigenständig zu entwickeln. Es schuf einen nahen Verwandten des Bräunungspeptids mit dem Code PT-141. Anfang der 2000er-Jahre wurde es als Nasenspray bei Männern mit Erektionsstörungen getestet, darunter Männer, denen Sildenafil wenig geholfen hatte, sowie bei kleinen Gruppen von Frauen.
Ein Rückschlag 2008
Größere Studien zeigten, dass das Nasenspray den Blutdruck erhöhen konnte. 2008 stellte Palatin die Entwicklung für Erektionsstörungen ein, und für einige Jahre verschwand Bremelanotid weitgehend aus den Nachrichten.
Ein Neustart für Frauen
Palatin kam mit einer Injektion unter die Haut zurück, die gleichmäßigere Blutspiegel brachte, und konzentrierte sich auf Frauen mit geringem sexuellem Verlangen. Auf eine Dosisfindungsstudie mit mehreren hundert Frauen vor den Wechseljahren folgten zwei große Phase-3-Studien, zusammen RECONNECT genannt, die von 2015 bis 2016 liefen.
Zulassung als Vyleesi
2017 vergab Palatin die nordamerikanischen Rechte an AMAG Pharmaceuticals, das die Zulassung beantragte. Am 21. Juni 2019 ließ die US-Arzneimittelbehörde FDA Bremelanotid unter dem Namen Vyleesi zu, für Frauen vor den Wechseljahren mit erworbener, generalisierter Störung mit verminderter sexueller Appetenz. Es war erst das zweite Medikament, das je für diese Erkrankung zugelassen wurde.
Seitdem
Palatin holte die Rechte 2020 von AMAG zurück und verkaufte Vyleesi im Dezember 2023 an Cosette Pharmaceuticals. Lizenzverträge wurden auch für China und Südkorea geschlossen. In Europa gibt es keine Zulassung, und manche Forscher fragen inzwischen, ob das Mittel Männern mit wenig Verlangen helfen könnte.